EVA-Prinzip im Zusammenhang mit EAM

Wie kann man das EVA-Prinzip im Enterprise Architecture Management anwenden?

Was ist das EVA-Prinzip?

Unter dem EVA-Prinzip (engl. IPO-model) versteht man das Grundprinzip der Datenverarbeitung, wobei die drei Buchstaben für Eingabe (Input), Verarbeitung (Processing) und Ausgabe (Output) stehen.

Diese drei Begriffe beschreiben die grundlegende Logik der Informationsverarbeitung.

flowchart LR
id1(Eingabe) --> id2(Verarbeitung) --> id3(Ausgabe)
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style id2 fill:#00ffff,stroke:#333,stroke-width:2px
style id3 fill:#ffff00,stroke:#333,stroke-width:2px

Im klassischen Sinne wird auf die physischen Komponenten, also die Hardware, hingewiesen:

Eingabe Verarbeitung Ausgabe
Tastatur
Maus
Touchpad
Joystick
Scanner
Barcode-/QR-Code-Leser
Hauptprozessor
CPU
Chipsatz
Controller
Monitor
Display
Lautsprecher
Beamer
Drucker
Plotter

Aber das Prinzip ist viel universeller einsetzbar, als nur für physische Informatik-Komponenten.

Wo lässt es sich noch anwenden?

Das EVA-Prinzip lässt sich in jedem nur erdenklichen Bereich anwenden. Jede Interaktion, jeder Prozess lässt sich damit abbilden.

Denn jede Interaktion, also selbst ein simpler Dialog zwischen zwei Menschen, nimmt Informationen entgegen, verarbeitet sie und erzeugt eine Antwort.

Als Beispiel ein kurzer Dialog bzgl. des Wohlbefindens aus Sicht des Befragten:

flowchart LR
id1(Hört 'Wie geht es Dir?') --> id2(Verarbeitet Frage, denkt über Antwort nach) --> id3(Antwortet 'Sehr gut, danke.')
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style id2 fill:#00ffff,stroke:#333,stroke-width:2px
style id3 fill:#ffff00,stroke:#333,stroke-width:2px

Jede Situation oder jeder Vorgang kann auf die drei Schritte Informationsaufnahme, Informationsverarbeitung und Informationsausgabe heruntergebrochen werden.

Das EVA-Prinzip im EAM

Um das EVA-Prinzip nachhaltig auf Unternehmensarchitekturen zu übertragen, müssen die Elemente noch durch grundsätzliche Fragen abgesichert werden.

  • Was (welche Quellinformationen) benötige ich, um den Vorgang zu starten bzw. starten zu können?
  • Was (Welche Zielinformationen) benötige ich zum Abschluss des Vorganges?
  • Wie (nach welchen Regeln) wandle ich die Quell- in Zielinformationen um?

Mit diesen Fragen wird das klassische EVA-Prinzip abgehandelt, für Architekturen muss noch folgende Frage zwingend gestellt werden:

  • Womit (mit welchen Mitteln) erreiche ich das?

Die Fragen des Was und Wie werden grundsätzlich in der Geschäftsebene abgehandelt, da diese vor allem den fachlichen Prozess ansprechen.

Das Womit wird von der Technikebene (durch die Infrastruktur) zur Verfügung gestellt.

Die Informationssystemebene (oder auch Anwendungs- bzw. Applikationsebene genannt) dient als Vermittler/Übersetzer und sorgt für eine reibungslose Unterstützung des Fachbereichs durch die IT. Somit wird der Sinn und Zweck von Unternehmensarchitekturen erfüllt.

flowchart TD
id1(Geschäftsarchitektur) <--Was? Wie?--> id2(Informationssystemarchitektur) <--Womit?--> id3(Technische Architektur)
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style id2 fill:#00ffff,stroke:#333,stroke-width:2px
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Zu den Grundfragen Was, Wie und Womit kommen noch folgende Ergänzungsfragen:

  • Weshalb ist dies notwendig? (Sinn und Zweck)
  • Wann (Bis wann) benötigt man dies? (Zeitlicher Rahmen)
  • Wer ist dafür zuständig? (Verantwortlichkeit)

Die Ergänzungsfragen sind bewusst sehr allgemein gehalten, da sie punktuell an jeder Stelle des Vorganges angesetzt werden können.

WESHALB WANN WER
WAS Wozu werden die Quell-/Zielinformationen benötigt? Wann/In welchem Zeitraum werden die Quell-/Zielinformationen benötigt? Wer ist für die Quell-/Zielinformationen verantwortlich? (Dataowner)
WIE Weshalb müssen die Informationen verarbeitet werden? Wann/In welchem Zeitraum müssen die Informationen verarbeitet werden? Wer ist für die Verarbeitung bzw. den Verarbeitungsprozess verantwortlich? (Processowner)
WOMIT Wie wird der Einsatz des benötigten Tools begründet? Wann wird welches Tool benötigt/eingesetzt? Wer ist für die benötigten Tools verantwortlich?

Fazit

Wer sich schon länger mit Enterprise Architecture Management befasst hat und auch Einblick in das ein oder andere Framework hatte, dem werden die Fragestellungen nicht neu sein.

Das Zachman Framework kennt ebenso sechs Perspektiven, die mit Fragewörtern identifiziert werden, hierzu gehören Was (Daten), Wie (Funktion), Wo (Netzwerk), Wer (Personen), Wann (Zeit) und Warum (Motivation). Einziger Unterschied zu meiner Darstellung, ich habe statt dem Wo ein Womit. Der Grund dafür ist recht einfach zu erklären. In der heutigen Welt sind wir so digitalisiert und vernetzt unterwegs, dass das physische Wo nur noch eine untergeordnete oder fast schon gar keine Rolle mehr spielt. Wichtiger sind heutzutage die eingesetzten Werkzeuge, eben das Womit.

In meiner Darstellung habe ich mich auch an TOGAF orientiert, wo die Fragestellungen nicht explizit so erwähnt, aber über die angebotenen Architekturebenen abgedeckt werden:

  • Geschäftsarchitektur: Beschreibt die “Wer”- und “Warum”-Aspekte (z. B. Organigramme, Ziele, Prinzipien).
  • Datenarchitektur: Fokussiert auf das “Was” (z. B. Datenmodelle, Datenflüsse).
  • Anwendungsarchitektur: Behandelt das “Wie” (z. B. Anwendungslandkarten, Schnittstellen).
  • Technologiearchitektur: Adressiert das “Womit” (z. B. Infrastruktur, Netzwerke, Standorte).

Meine Darstellung von EVA im Bezug auf EAM stellt somit keine komplette Neuinterpretation dar, sondern soll mehr aus der Sicht eines pragmatischen Zugangs zeigen, wie es sich anwenden lässt.